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BikeBloggerBerlin von: am: 5.12.2011
BikeBloggerBerlin Autor(in):    |   5. Dez 2011   |    Kategorie: Radgeber,

Lichtpflicht

Licht am Fahrrad? Wie antiquiert. Zumindest in manchen Bezirken Berlins ist man als leuchtender / beleuchteter Radfahrer ein Exot. Wenn man dann die Straße oder den Radweg in der vorgeschriebenen Fahrtrichtung nutzt und an einer roten Ampel unvorhersehbar bremst, outet man sich schnell als Zugereister. Wobei es kaum einen Unterschied macht, ob man aus Stuttgart, Zehlendorf [ein bürgerlicher Bezirk im Westen Berlins] oder Weißensee [dito - im Osten Berlins] kommt.

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Karbidlampe © Günter Havlena / pixelio.de

Nehmen wir einfach mal an, dass Sie, liebe Leserin, lieber Leser, ein Interesse daran haben, sich gesetzeskonform mit ihrem Fahrrad in der Stadt zu bewegen. Nur so zum Spaß, ja? Dann hätten wir nämlich eine Grundlage für den folgenden Text. Alle Angaben gelten ausschließlich für den Geltungsbereich der StVO (d.h. öffentliche Straßen in Deutschland).

Wer schreibt mir denn vor, dass ich Licht am Rad brauche?

Im ungünstigsten Fall die Versicherung, die die Haftung bei einem nächtlichen Unfall ablehnt. Es kann aber auch das Ordnungsamt oder die Polizei bei einer Kontrolle sein. Und grundsätzlich der Gesetzgeber: in § 17 der Straßenverkehrsordnung (StVO) heißt es:

(1) Während der Dämmerung, bei Dunkelheit oder wenn die Sichtverhältnisse es sonst erfordern, sind die vorgeschriebenen Beleuchtungseinrichtungen zu benutzen.

[via]

Prima! Dann brauche ich ja kein Licht, wenn ich nur am Tage fahre?

Leider nein. Schließlich gibt es da noch die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO). In § 67 Absatz 2 heißt es dort:

Die lichttechnischen Einrichtungen müssen vorschriftsmäßig und fest angebracht sowie ständig betriebsfertig sein.

[via]

So, und die Rennradfahrer?

Die haben doch auch alle keine festen Lampen! Stimmt. Die dürfen das auch. Ebenfalls in § 67 StVZO sind in Absatz 11 die Ausnahmen für

Rennräder, deren Gewicht nicht mehr als 11 kg beträgt [a.a.O.]

LED-Scheinwerfer © Supernova

festgelegt. Danach muss die Beleuchtung nicht fest angebracht sein. Sie muss lediglich ständig mitgeführt werden und in den Fällen des § 17 (siehe oben) benutzt werden. Batteriebeleuchtung ist hier zulässig. Wichtig: alle für Fahrräder vorgeschriebenen Reflektoren müssen vorhanden sein (s.u.).

Eine Definition, was ein Rennrad ist, liefert der Gesetzgeber leider nicht. So muss man davon ausgehen, dass sportliche Fahrräder ohne Rennlenker bzw. Mountainbikes hiervon nicht betroffen sind, selbst wenn sie weniger als 11 kg wiegen.

Für alle Fahrräder (mit Ausnahme der Rennräder) gelten somit dieselben Beleuchtungsvorschriften?

Ja. Diese sind in den Absätzen 1 bis 9 des § 67 der StVZO (Lichttechnische Einrichtungen an Fahrrädern) festgelegt. Der § 67 legt dabei keine Mindeststandards fest, denn gemäß Absatz 2

(dürfen) an Fahrrädern … nur die vorgeschriebenen und die für zulässig erklärten lichttechnischen Einrichtungen angebracht sein. [a.a.O.]

Es müssen also die genannten Lampen und Reflektoren vorhanden sein, darüber hinaus aber auch keine weiteren! Nur bei den seitlichen Rückstrahlern ist der Gesetzgeber hier ein wenig großzügig gewesen, hier darf mehr angebracht werden, als vorgeschrieben ist. Lampen und Reflektoren am Fahrradfahrer, an der Kleidung oder am Gepäck wird hiervon nicht erfasst. Beispiel: Eine Stirnlampe ist somit kein Scheinwerfer im Sinne des Gesetzes, darf aber zusätzlich verwendet werden, solange dadurch niemand geblendet wird.

Welche Lampen und Reflektoren als zulässig erklärt werden ist zum Teil in § 67 StVZO festgelegt, zum Teil auch in den “Technischen Anforderungen“. Dies sind Normen, die nicht Gesetzesrang einnehmen, aber für die Zulassung durch das Kraftfahrtbundesamt zu Grunde gelegt werden.

Eine Zulassung erkennen Sie an der entsprechenden Zulassungsnummer. Sie besteht aus dem Großbuchstaben “K”, einer Wellenlinie sowie einer zwei- bis fünfstelligen Zahl: 

[via]

Was muss nun an meinem Fahrrad fest angebracht sein?

Nabendynamo © Supernova

Ein Dynamo (“Lichtmaschine” gem. § 67 Abs. 1). Ohne geht es nicht. Wie er funktioniert, spielt jedoch keine Rolle. Daher kann theoretisch jede technische Einrichtung, die eine elektrische Spannung bei festgelegten Eckwerten (Spannung, Leistung) durch die Bewegung des Fahrrades erzeugen kann, benutzt werden. Natürlich muss auch hier das Prüfzeichen vorhanden sein.

Ein weißer Scheinwerfer vorn sowie mindestens ein nach vorn wirkender weißer Rückstrahler (kann auch mit dem Scheinwerfer kombiniert sein, § 67 Abs. 3).

Ein rotes Rücklicht (§ 67 Abs. 4).

Mindestens ein roter Rückstrahler und ein roter Großflächenrückstrahler. Rücklicht und einer der roten Rückstrahler dürfen kombiniert sein (§ 67 Abs. 4).

Zusätzlich ist ein weiteres rotes Rücklicht, das mit einer Batterie betrieben werden darf, erlaubt (§ 67 Abs. 5).

Gelbe Pedalreflektoren (insgesamt vier) (§ 67 Abs. 6).

Mindestens 2 gelbe Speichenreflektoren pro Rad oder weiße ringförmige  Reflektoren an den Reifen oder in den Speichen (§ 67 Abs. 7).

Zusätzliche gelbe Reflektoren an der Seite sind erlaubt (§ 67 Abs. 8).

Scheinwerfer und Rückleuchte dürfen nur zusammen einschaltbar sein. Eine Standlichtfunktion für Scheinwerfer und Rückleuchte ist zulässig (§ 67 Abs. 9).

Was ist nicht erlaubt?

Zwei weiße Scheinwerfer!

Batteriescheinwerfer (Ausnahme Rennrad)!

Blinklichter! Dies ergibt sich jedoch nur aus den Technischen Anforderungen, nicht aus der StVZO.

Die Verwendung von Lampen oder Reflektoren ohne Zulassung (s. Wellenlinie). Sie dürfen nicht für die Verwendung am Fahrrad im Straßenverkehr verkauft werden – dies wäre eine Ordnungswidrigkeit! Hier wird entweder eine Umschreibung verwendet und das Fahrrad nicht erwähnt (Outdoorgebrauch etc.) oder es ist ein Hinweis enthalten, z.B. “Nicht zulässig im Geltungsbereich der StVZO”.

Die Modifikation von Lampen (anderer Reflektor, andere Glühbirne/LED). Hierdurch erlischt in der Regel die Zulassung.

Dürfen Fahrräder ohne Beleuchtung oder mit nicht zulässiger Beleuchtung verkauft werden?

Fahrräder ohne Beleuchtung gelten entweder als Spielzeuge (Lernräder für Kinder) oder als Sportgeräte. Diese dürfen mit einem Hinweis, dass sie nicht für die Verwendung im Straßenverkehr zugelassen sind, verkauft werden.

Fahrräder mit nicht zulässiger Beleuchtung dürfen in Deutschland nicht verkauft werden. Hierzu gibt es eine Antwort des niedersächsischen Verkehrsministers auf eine Anfrage im Landtag aus dem Jahr 2010 sowie eine kritische Stellungnahme des ADFC zu dieser Antwort.

Tipps

Tipps zu geeigneter Beleuchtung finden sich in BikeBlogBerlin:

Beleuchtungstipps für dunkle Tage Teil 1

Beleuchtungstipps für dunkle Tage Teil 2

Hinweise zur Funktionsprüfung von Fahrrad-Lichtanlagen

Weiterführende Links

Die Fahrradbeleuchtung bei Peter de Leuw

Technische Anforderungen auf enhydralutris.de

Thema Beleuchtung in Fahrradzukunft Nr. 5

StVO auf Gesetze im Internet

StVZO auf Gesetze im Internet

Der Originalartikel ist unter dieser Adresse auf BikeBlogBerlin erschienen.





2 Kommentare »

  1. Eike — 6. Dezember 2011 @ 14:42

    Super Überblick, vielen Dank!

    Gruß in die Hauptstadt!

  2. Nathalie — 15. Dezember 2011 @ 14:24

    Uff, was es da alles zu beachten gibt! Danke für den super Überblick… Unwissenheit hilf schützt ja leider vor Strafe nicht, aber unwissend bin ich ja jetzt auch nicht mehr :-)

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