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BikeBloggerBerlin von: am: 4.01.2012
BikeBloggerBerlin Autor(in):    |   4. Jan 2012   |    Kategorie: News, Radgeber,

Winterreifenpflicht

Der Winter hat sich angekündigt. Dieses Jahr soll er es tatsächlich schaffen, in Deutschland vorbeizuschauen. In einigen Gegenden soll er sogar schon gesehen worden sein.

Höchste Zeit, sich über das sichere Vorwärtskommen in der kalten Jahreszeit Gedanken zu machen. Über sinnvolle beziehungsweise gesetzeskonforme Beleuchtung habe ich schon geschrieben. Heute geht es um Haftungsfragen. Haftung ganz wörtlich genommen: Bodenhaftung bei Schnee, Eis und Glätte.

Mountainbiker sind in der kalten Jahreszeit fein raus: ihre breiten, meist grobstolligen Reifen graben sich in festen wie lockeren Schnee ein. Bei Eis helfen aber auch diese Reifen nicht mehr weiter. Alltagsradler und viel mehr noch Fahrer von schmalerer Bereifung wie sie an Rennrädern üblich ist bekommen schon viel früher Probleme.

Es gibt aber Abhilfe. Zu diesem Zweck muss sich der Radfahrer jedoch von der Vorstellung verabschieden, es gäbe einen Fahrradreifen für jeden Zweck. Was für Autos gilt ist auch bei Rädern nicht verkehrt: kalte Temperaturen, Schnee und natürlich Eis verlangen andere Reifen als die, die als Standardausstattung montiert sind.

Kann man sich im Sommer – egal ob bei Regen oder bei Sonnenschein – auf asphaltierten Straßen nahezu immer auf Bereifung ohne Profil verlassen, sollten diese jetzt gegen etwas profilierte Reifen getauscht werden. Bereits geringe Mengen Schnee lassen das Radfahren mit profillosen Reifen zum Glücksspiel werden.

© Continental / www.conti-online.com

Man kann aber noch mehr tun. Einige Reifen werden speziell für die kalte Jahreszeit produziert. Das Reifenmaterial ist – ähnlich wie PKW-Winterreifen – auf kalte Temperaturen ausgelegt, der Reifen rollt daher etwas besser als “Sommerreifen”, die bei Kälte hart werden. Eine etwas gröbere Profilierung verbessert den Kontakt auf weichem Untergrund. Zusätzlich gibt es Reifen mit in die Lauffläche eingearbeitetem Granulat, das ähnlich wie das Granulat auf vereisten Straßen eine bessere Haftung erzeugen sollen. Wunder sollte man von diesen Reifen jedoch nicht erwarten. Für mich sind sie die Wahl im Herbst und Winter, wenn kein Schnee und Eis liegt.

Sobald Schnee einsetzt oder Glatteis zu erwarten ist müssen auch diese Reifen weichen. Dann kommen Spikereifen zum Einsatz. Als Notlösung habe ich ein Ersatzvorderrad, auf dem ein solcher Reifen montiert ist – schnell ausgetauscht, ohne umständlich die Reifen wechseln zu müssen. Ist eine längere “Eiszeit” zu erwarten, wird auch das Hinterrad ausgebaut und der Reifen gegen einen Spikereifen getauscht.

Kleine Winterreifenkunde

 

© Fa. Ralf Bohle GmbH, www.schwalbe.de

Für PKWs sind Spikereifen in Deutschland verboten, für Radfahrer hingegen erlaubt. Das Angebot ist inzwischen fast unüberschaubar, viele Reifenhersteller haben inzwischen Spikereifen in mehreren Versionen im Angebot. Welche Spikereifen lohnen sich aber für den Alltagsradler?

Grundsätzlich kann man für “normale” Zwecke von den Spikemonstern mit mehr als 300 Spikes abraten. Der Grip auf blankem Eis ist bei ihnen zwar herausragend, auf eisfreien Strecken fährt man jedoch ständig auf den Spikes. Für die Stahlstifte ist dies unkritisch, für das eigene Gehör ist dies jedoch recht unangenehm.

Reifen mit “nur” rund 100 Spikes, die meist im “Zickzack” auf der rechten und linken Seite der Lauffläche angeordnet sind funtionieren bei moderaten Bedingungen und gemäßigter Geschwindigkeit / Kurvenneigung ordentlich. Man kommt jedoch bald an die Grenzen dieser Reifen, wenn man mal etwas schneller fährt und auch in Kurven nicht wirklich zurückhaltend bleibt.

© Suomi Tyres

© Continental

 

 

 

Als idealer Kompromiss hat sich für mich ein Spikereifen mit rund 200 Spikes erwiesen. Je nach Schneelage kann ein “normal” profilierter Spikereifen ausreichen, der eine durchgehende Lauffläche aufweist und sich daher auf Asphalt angenehm fährt. Bei noch extremeren Bedingungen rate ich zu stärker profilierten Reifen mit bis zu 240 Spikes.

Die Spikereifen sind durch die Stahlstifte höher als normale Reifen, vor der Montage ist zu prüfen, ob der Platz zwischen Schutzblech und Spike aureicht!

Tipps für Spikereifenfahrer:

Rechtzeitig kaufen! Wenn erst die Straßen voller Schnee sind, nehmen die Bestände der Händler wie der Hersteller erfahrungsgemäß schnell ab.

Rechtzeitig montieren! Selbstverständlich? Natürlich. Dennoch hat wohl jeder Spikereifenbesitzer schon erlebt, dass die Straßen plötzlich vereist waren, die Reifen aber noch unmontiert im Keller lagen.

Rechtzeitig einfahren! Spikereifen müssen nach Angabe der Hersteller rund 50 km auf Asphalt eingefahren werden. Andernfalls kann es sein, dass die Befestigung der Spikes im Reifen nicht ausreicht.

Solange die Straßen frei von Eis und Schnee sind sollten Spikereifen mit dem maximal zulässigen Luftdruck gefahren werden. Dies erhöht den Pannenschutz und verringert den (Roll-)Widerstand auf Asphalt oder festem, trockenen Untergrund. Auf Schnee und Eis hingegen sollte der minimal zulässige Druck gewählt werden.

Übrigens gibt es natürlich keine Winterreifenpflicht für Fahrräder!

Testberichte

Mountainbikemagazin BIKE

Aktiv Radfahren Ausgabe 03/2009 (nicht online verfügbar)

RoadBIKE: Sechs robuste Rennradreifen im Labor- und Praxistest

Der Originalartikel ist unter dieser Adresse auf BikeBlogBerlin erschienen. Hier gibt es auch noch ein paar konkrete Tipps für gute Winterreifen.





6 Kommentare »

  1. Nathalie — 5. Januar 2012 @ 09:27

    Danke für den informativen Artikel…Ich war ja schon begeistert von deinem Artikel über „Lichtpflicht“. Genauso wie mit Lichtpflicht habe ich mich noch nie mit Winterreifen fürs Fahrrad auseinander gesetzt. Jetzt gibts bald wirklich keine Ausrede mehr im Winter aufs Rad zu steigen 🙂
    Ich freue mich auf deine nächsten Artikel!
    Viele Grüße
    nathalie

  2. Bikenix — 5. Januar 2012 @ 15:28

    Auch wenn dieser Winter nicht gerade dafür spricht … 😉

    Ich bin seit zwei Jahren begeisterter Spikereifenfahrer. Anfangs hatten meine Kollegen gelächelt, bis die ersten auf der Nase lagen.

    Leider hatte ich mich für ein Modell mit wenigen Spikes an den Flanken entschieden. Diese geben zwar in den Kurven mehr Sicherheit, auf vereisten Geradeausstrecken helfen sie aber überhaupt nicht und im besten Fall eiert man dann genauso unsicher herum wie mit normalen Reifen. Wenn man jetzt überlegt, wie viele Geraden und wie viele Kurven man auf einer durchschnittlichen Fahrt hat, erscheinen die halben Spikereifen nur noch beschränkt sinnvoll. Ich jedenfalls werde mir nächstesmal lieber Reifen mit ein paar Spike mehr kaufen.

  3. Reifen — 5. Januar 2012 @ 16:30

    Sehr interessanter Artikel.

    Hoffentlich kommt es nicht zu einer Winterreifenvorschrift „von O bis O“ wie bei Autos. 🙂 🙂 🙂

    Viele Grüße Thomas

  4. BikeBlogger — 5. Januar 2012 @ 21:11

    Hallo zusammen, danke für die positiven Kommentare!
    @ Bikenix: Ich hatte auch einmal solch einen Reifen. Einem normalen Reifen ist er auf Eis immer noch überlegen. Er muss dann halt tatsächlich mit dem niedrigsten zulässigen Druck (sollte auf dem Reifen angegeben sein) gefahren werden. Der Gewinn an Sicherheit und Grip durch die vierreihige Anordnung der Spikes ist es die (geringe) Mehrausgabe aber wert.

  5. Marion — 6. Februar 2012 @ 11:56

    Ich hätte nicht gedacht, dass die Pflicht so extrem ausfällt.

  6. Lia — 8. Oktober 2012 @ 17:07

    Die Reifen mit den Eisenspikes habe ich mir mal für meinen Winterurlaub gekauft. Damit fährt man richtig gut!

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