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Anja von: am: 1.02.2012
Anja Autor(in):    |   1. Feb 2012   |    Kategorie: Radgeber,

Eine ganz andere Geschichte… die Geschichte des Fahrrads

Welche Alternativen hat man, an einem Wochenende, wenn das Winterwetter widrig oder eisig  (so ab -10° tut’s den Atemwegen nicht mehr so ganz gut) ist?  –> Fitnessstudio, Cycletrainier

Kurztrip nach Mallorca 🙂 (da schneits aber auch gerade), wie Matthias und seine Mitstreiter zum WinterTrail-Day im Hunsrueck aufbrechen oder…. eine gute Kanne Tee, Plätzchen, Schaukelstuhl und ein gutes Buch!

„Vom Glück auf zwei Rädern“ hat zwar nicht den Bewegungsdrang und die Sehnsucht auf die nächste Radtour schmälern können – im Gegenteil! Sie wurden noch verstärkt.
Robert Penn erzählt interessant und informativ wie er sich SEIN ganz persönliches Traumrad erstellt. Auf dieser Reise zu seinem Rad, welche ihn quer durch Grossbritannien, nach Italien, Deutschland und nach Amerika führt, erfährt man sehr viel über die Geschichte des Fahrrads, über Persönlichkeiten des Radsports, die Radherstellung uvm.

Ich vergleiche immer wieder den langen, intensiven Weg, den Robert P. zu SEINEM Rad führt mit meinem: Ich sah das Rad, fuhr das Rad und….es wurde zu meinem Rad. Mein Rad und ich werden auch noch einige Kilometer zusammen erleben und erfahren! Doch vielleicht wird die ein oder andere Komponente mal angepasst, ausprobiert….

Schaut man sich die Entwicklung des Fahrrads an, so ist bemerkenswert, dass hier im 19./Anfang 20. Jahrhunderts etwas erfunden wurde, was heute noch immer sehr große Bedeutung hat! Das moderne Flugzeug hat nichts mehr mit dem Fluggerät der Gebrüder Wright zu tun, das erste Fahrzeug ist nicht vergleichbar mit einem Rennauto. Aber der erste Diamantenrahmen, der 1885 in England von Rover hergestellt wurde, stellt bis heute den Maßstab für alle Fahrräder.

Den Rahmen lässt Robert P. in Grossbritannien herstellen. Neben der wichtigen Materialfrage – Robert P. entscheidet sich für Stahl – wird Mass genommen: „Hintern, Hände, Füße“ als die drei Kontaktpunkte mit dem Rad bedingen Rahmengröße und Rahmengeometrie.

Das Steuersystem, unspektakulär, aber enorm wichtig, wenn man bedenkt, welcher Belastung dieses ausgesetzt ist, besorgt Robert P. sich in Portland, Oregon, der Stadt, in der angeblich alle 27 Minuten ein Radevent stattfindet.

Weiter führt es ihn nach Italien – ein Land u.a. bekannt für seine Radleidenschaft und die Radindustrie. In Mailand erwirbt Robert P. den Karbonlenker und in Vincenza den Komponentensatz der Gruppe Campagnolo Record.
Die Laufräder für seine Hinter- und Vorderradnabe aus Hampshire und seine Reifen aus Korbach besorgt er sich in Fairfax; diese gänzlich abgestimmt auf sein Gewicht, seine Größe und seinen Fahrstil.
SEINEN Ledersattel, der immer besser wird, je länger er genutzt wird, findet er schliesslich in Smethwick bei Birmingham.

Er geht der Frage nach, warum erst im 19. Jahrhundert von Karl Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn das „mechanische Pferd mit Rädern“ erfunden wurde (Draisine), obwohl dies doch seit mindestens 3.500 Jahren technisch machbar gewesen wäre und berichtet von den ersten Fahrschulen für die Draisine und das Veloziped zum Erlernen des Gleichgewichts oder vom ersten organisierten Radrennen 1869 (Paris – Rouen).

Auch wird erläutert, warum wir das Fahrradfahren nicht mehr verlernen und dass die ersten Kugellager bereits in römischen Galeeren zum Einsatz kamen, bevor Leonardo da Vinci und Galileo Kugellager beschrieben. Wie die Sehnsucht nach Schnelligkeit das Vorderrad immer größer werden lies – bis zu einem Vorderrad-Durchmesser von bis zu zwei Metern (!) – bevor 1879 Lawson den Hinterradkettenantrieb patentieren ließ und Renold die Rollenkette aus Stahl 1880 erfand.

Man weiß die Leistung wohl zu schätzen, die der Brite Starley, der „Vater der Fahrradindustrie“, 1871 vollbrachte, als er mit einem Hochrad 155 km auf den zu der Zeit einfachen Strassen von London nach Coventry hinter sich brachte. Bis heute gilt die von Starley erfundene Tangentialspeicherung als die beste Art zur Herstellung von Laufrädern.

Die Fahrradclubs, wie z. B. der Cyclists‘ Touring Club mit bereits 20.000 Mitgliedern Ende des 19. Jahrhunderts, setzten sich für den Strassenbau ein, der durch das sich vergroessernde Eisenbahnnetz stark vernachlässigt wurde. Es entstanden zeitgleich die ersten Radkarten, wie die „Karte der Britischen Inseln für Fahrradtouristen“, die erste Fahrradreisenden durchquerten Großbritannien, fuhren von Paris nach Wien oder umrundeten innerhalb von drei Jahren die Welt…auf einem 34 kg schweren Hochrad – Respekt!

Das erste 6-Tage-Bahnrennen, ein wahrer Härtetest, da die Sattel zu der Zeit noch aus Holz hergestellt wurden, wurde 1878 in London durchgeführt. Bis Ende der 1920er Jahre hatte in Amerika jede große Stadt ihr Velodrom. Im Madison schaffte man im 2er-Mannschaftsfahren 1914 sage und schreibe 4.442 Kilometer in den sechs Tagen!

Die Geburtsstunde des Mountainbikens Anfang der 70er am „Repack“ – die beruehmteste Gelaendeabfahrt der Welt am Mount Tamalpais -eröffnete schliesslich ein neues Kapitel in der Geschichte des Fahrrades.

„Beim Radfahren lernen Sie eine Landschaft am besten kennen“, schrieb Ernest Hemingway einmal in einer seiner Reportagen, „weil Sie bergauf schwitzen, während es bergab von allein geht. Auf diese Weise haben Sie die Gegend im Kopf, wie sie wirklich ist, während Ihnen im Auto nur hohe Berge Eindruck machen.“ (vgl. Robert Penn (2011): Vom Glück auf zwei Rädern, S. 40).

Robert Penn hat die Geschichte des Fahrrades geschickt verwoben mit seiner Geschichte auf der Suche nach seinem Traumrad und weiteren Geschichten von Weltumrundungen uvm.

Ich jedenfalls freu mich auf die nächsten Radtouren bei uns (www.radhelden.info) – da gibt’s noch viele Strecken und Regionen und Erlebnisse…. 🙂 – wenn auch nicht ganz so spektakulär wie die Geschichte des Fahrrades, die Innovationen, Ideen, Mut, Ehrgeiz…..derer, die diese Geschichte und die Entwicklung geprägt haben.

Ach ja, und warum das gelbe Trikot der Tour de France die Farbe gelb hat….wisst Ihr’s?

(Robert Penn (2011): Vom Glück auf zwei Rädern. Tolkemitt Verlag.)





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