Artikel suchen nach:

Themen

Archiv

  • 2016 (13)
  • 2015 (12)
  • 2014 (40)
  • 2013 (40)
  • 2012 (83)
  • 2011 (53)
Hol‘ Dir kostenlos die Rheinland-Pfalz Touren-App
von: Dieter am: 12.09.2012
Autor(in): Dieter    |   12. Sep 2012   |    Kategorie:

altes neues Peugeot Rennrad

Bild+076.jpg

X52967X2HES2

Nach so einem Schätzchen hatte ich lange gesucht. Beim Arbeitskollegen des Fahrradkumpels, der auf meiner Straße wohnt, stand das Peugeot Rennrad zehn Jahre lang in der Garage. Ungenutzt, kaum einen Kilometer gefahren, vergessen. Offensichtlich war ihm die Lust aufs Rennradfahren abhanden gekommen.
Der Marke Peugeot bin ich bei Fahrrädern seit mittlerweile seit 24 Jahren treu. Damals, 1989, als ich mein erstes Rennrad kaufte, war Peugeot das Maß aller Dinge. Schaltung, Zahnkränze, Kette, Umwerfer, alles fädelte sich nahtlos ein. Mit dem Rahmen aus Aluminium war das Rad federleicht. Die Bremsen packten und griffen sofort. Butterweich rollte das Rad auf der Straße. Das Fahrgefühl ließ mich in den Himmel schweben, das Landschaftserlebnis versetzte mich in Ekstase. Mit 14 Gängen war der kleinste Gang klein genug, um die Berge hoch zu kommen. Und der höchste Gang passte in flacher Landschaft genauso. Übertragen auf Autos, ist Peugeot für mich so etwas wie der Volkswagen unter den Rennrädern. Das Rad läuft und läuft und läuft – und wenn etwas verschließt, wird es ersetzt. Anschließend läuft das Rad und es läuft und läuft und läuft …
Jäh unterbrochen wurde mein Traum vom Rennradfahren 1997, als mein Peugeot Rennrad geklaut wurde. Das war eigentlich leichtsinnig, dieses Schmuckstück tagsüber am Bahnhof stehen zu lassen. In den Folgejahren hatte ich weder Geld noch Zeit, mir ein neues Rennrad zu leisten. Unsere großen Kinder waren klein, so dass ich jede Menge andere Dinge um die Ohren hatte. Rennradfahren fand nicht mehr statt. Anstatt dessen war ich mit einem normalen Tourenrad unterwegs. Das war zwar auch die Marke Peugeot, aber kräftige Steigungen oder ins Mittelgebirge hoch traute ich mich nicht mehr.
P1050913.jpg

Das änderte sich 2006, als mir mein Arzt zum Abnehmen riet, denn allgemein waren meine sportlichen Aktivitäten eingeschlafen. In dieser Phase leuchteten vor meinem geistigen Auge wieder meine Rennradtouren auf, die als Traum, Vision, Vergangenheit in einer Abstellkammer des Vergessenen gelandet waren. Abnehmen durch Rennradfahren. Das sollte bestimmt klappen !
Ich ärgere mich heute noch, dass ich nicht früher die Idee hatte, dass es EBay gibt. Jede Masse gebrauchte Peugeot Rennräder auf EBay. Ich probierte einige Male, doch ich erhielt nicht den Zuschlag. Bis ein Rennrad mit silber-farbenem Rahmen eingestellt wurde, bei dem ich der einzige Bieter war. 10 € – ein Spottpreis, beinahe verschenkt. Das Rennrad hatte aber einen Haken, der nicht in EBay erkennbar war: das Rad hatte bestimmt 20 Jahre oder mehr auf dem Buckel, vor allem: die Maße von Felgen und Bereifung waren veraltet und nicht mehr erhältlich. Nach einigen Monaten war zuerst das Vorderrad platt – da musste ich mir sogleich eine neue Felge plus Reifen plus Schlauch kaufen. Gleichzeitig kaufte ich mir ein neues Hinterrad – inklusive Zahnkranz für 14 Gänge. Das kostete rund 150 €. Dafür besaß ich nun ein Peugeot Rennrad, das trotz des hohen Alters das Maß aller Dinge für mich verkörperte. Wieder dieses butterweiche Fahrgefühl. Mit den 14 Gängen kletterte ich die Mittelgebirge hoch. Die Touren gingen ins Siebengebirge, in die Eifel, in den Westerwald, in die Ardennen, in den südlichen Zipfel der Niederlande.
Dabei hatte ich die Entwicklungen im Hintergrund von Peugeot nicht mitbekommen. 2006, als ich mich alternativ nach neuen Rennrädern von Peugeot umsah, vermisste ich diese bei Fahrradhändlern. Als ich nachfragte, sagte man mir, diese würden nicht mehr hergestellt. Normale Tourenräder ja, aber keine Rennräder. Da wäre ohnehin nur der Weg über EBay geblieben.
P1050915.jpg

Den Zeitpunkt hatte ich um fünf Jahre verpasst, dass bis 2001 Peugeot Rennräder produzierte. Bereits 1991 hatte Peugeot die traditionsreiche Fahrradsparte verkauft. Der Grund war eine wachsende Konkurrenz durch Discounter, Baumärkte und asiatische Hersteller. Davor hatte sich Peugeot über mehr als einhundert Jahre am Markt behauptet. 1882 hatten die „fils des Peugeot frères“ ein Hochrad entwickelt, das neben anderen Fahrradtypen 1888 in die Serienfertigung ging. Als 1903 das erste Rennen der Tour de France gestartet wurde, fuhren die meisten Radrennfahrer auf Peugeot Rennrädern. Die langjährige Tradition bei der Tour de France wurde durch eigene Peugeot Radsportteams unterstrichen, die sich mit Unterbrechungen erstmalig 1905 und letztmalig 1989 zusammenfanden.
Mit dem Verkauf der Fahrradsparte an Cycleurope 1991 blieb die Marke Peugeot erhalten. Produziert wurde irgendwo auf der Welt, auf den Rädern stand bzw. steht Peugeot. Mit dem ursprünglichen Unternehmen Peugeot hat dies aber nichts mehr zu tun. Das ist ungefähr wie bei einem Turnschuh von Adidas, dessen Einzelteile in globalisierten Wertschöpfungsketten – quer über unseren Globus verteilt – zusammengefügt werden. Mit dem alteingesessenen deutschen Traditionsunternehmen Adidas hat dieser Turnschuh nichts mehr zu tun.
Die Lizenz, unter der Marke Peugeot Fahrräder herstellen zu können, lief 2001 aus. Danach entschied sich Cycleurope (im Gegensatz zu dem übrigen Fahrrad-Angebot von Peugeot), die Lizenz nicht zu verlängern. Seitdem ist die Produktion von Peugeot Rennrädern offiziell eingestellt. Ausnahmsweise werden einzelne streng limitierte Sonderanfertigungen hergestellt – in diesem Jahr waren es einhundert Peugeot Rennräder.
Im letzten Jahr kam dann das Aus für mein 2006 ersteigertes Peugeot Rennrad. Ich hatte dermaßen viel Kilometer zurückgelegt, dass sich die Kette durchdrehte. Einmal war bereits Zahnkranz auf dem Hinterrad plus Kette erneuert worden. Diesmal musste der Zahnkranz auf dem Vorderrad erneuert werden. Doch nirgendwo wurde ich fündig, an ein Ersatzteil heran zu kommen. Daher verkaufte ich das treue Stück für 32 € über EBay.
Bild+077-001.jpgAls ich in diesem Jahr in EBay hineinschaute, um ein neues altes Peugeot Rennrad zu ersteigern, ließen mich die Preise in den Auktionen erschaudern. Unter 150 € war ein brauchbares Peugeot Rennrad, das halbwegs vernünftig aussah, nicht zu haben. Ich stöberte immer wieder in EBay, doch vergeblich. Irgendwann empfand ich die Sucherei in EBay als reine Zeitverschwendung.
Bis mein Fahrradkumpel mir von seinem Arbeitskollegen erzählte. Zufällig war ihr Gespräch in die Spur geraten, dass sie beide gerne Fahrrad fuhren. Mit welchem Fahrrad, da erzählte der Arbeitskollege, dass er lieber mit seinem Mountain-Bike fahre, während sein Rennrad in der Garage vor sich her staube.
Es war ein feierlicher Augenblick, als mein Fahrradkumpel mir das Peugeot Rennrad in seinem VW Sharan ins Haus brachte. Frech und sportlich, farbenfroh schillerte der gelb-orange-rote Rahmen. Rahmenhöhe 54, das passte nicht ganz, denn sonst fahre ich Rahmenhöhe 58. Macht aber nichts, denn mit dem Rennrad fahre ich ins Büro und (vorläufig) nicht ins Siebengebirge oder in die Eifel. Und dafür reicht es allemal ! Die Spannung steigerte sich, als ich auf das Rennrad stieg. Die ersten Meter glitt das Rennrad sanft und glatt dahin. Diese butterweiche Gefühl, auf der Straße daher zu schweben, kehrte zurück. Das war dasselbe Maß aller Dinge, das mich – mit Unterbrechungen – seit 24 Jahren begleitete.
Ich muss zugeben, dass mein Rennrad „Bulls Vulture“, das auf den Fotos meiner Rennradtouren zu sehen ist, noch einen Tick besser ist. Technisch ausgereifter, greifen die Komponenten bei der Schaltung besser. Zudem schonen die 21 Gänge meine Kräfte, wenn ich mittendrin in Eifel oder Westerwald stecke und wenn das Auf und Ab in den Bergen nicht aufhört.
Jedenfalls ist das Fahrgefühl auf einem Peugeot Rennrad unverwechselbar schön. Für 80 €. Ein wahres Schnäppchen !





3 Kommentare »

  1. Jens Schwoon — 14. September 2012 @ 16:57

    Hi

    Ich habe ein sehr ähnliches Fahrrad nur in einheitlich „rot“ als Farbe. Wirklich sehr coole Gangschaltung und wenig Technik. Es macht immer wieder Spass damit Touren zu machen.

    Ein wirkliches Schnäppchen kann man dazu sagen.

    Gruß, Jens

  2. Gabrielle C. J. Couillez — 28. August 2015 @ 06:39

    Hallo aus Bad Dürkheim!

    Ich hätte auch noch so ein altes Peugeot-Damenrennrad in der Garage stehen – hellblau – das ich gerne verkaufen würde!

    Grüße! Gabrielle

  3. Mujo — 14. Dezember 2015 @ 22:15

    Ich hatte mir 2000 ein 99er Rennrad bei einem Autohändler bestellt – also eines der letzten Räder der alten Generation aber schon von CycleEurope. „Made in France“ prangert vorne!

    Ich wollte es fast schon entsorgen als vor 2 Jahren die Schaltung brach. Da noch 8-fach montiert war und die Schalt/Bremsheben völlig hinüber, der Lenker verbogen, die Bremsen runter und die Zahnkränze matsch waren dachte ich ein neues Carbon Marke XYZ wäre wohl das Beste.
    Dann packte mich aber der Ehrgeiz dieses schicke orange Rennrad doch nicht aufzugeben. Wer hat schon ein modernes Peugeot-Rennrad?! In Potsdam niemand 🙂

    Also brachte ich das Rad zu einem ehemaligen Friedensfahrer in Babelsberg der da ein kleines aber feines Geschäft für Rennräder betreibt. Ich wurde zwar 500€ auf einen Schlag los, aber ich hab quasi wieder ein neues Rennrad nun sogar mit 10-fach Campagnono-Ausstattung der aktuellsten Generation dazu Campagnolo Vento G3 Laufräder. Eine Augenweide.Somit ist das Bike nun eine komplett Französich-Italienische-Co-Produktion. Lenker kommt aber nun von einer US-Marke (ist aber in italienischem Kork eingehüllt) und die Kettenblätter sind deutsches Fabrikat weil Spezialgröße. Sogar der Sattel wurde gegen ein neues oranges Modell getauscht, leider kein Original Peugeot-Rennradsattel (nicht zu bekommen so ein Teil).

    Dann quatsche mich einer im Hauptbahnhof an, ob Peugeot tatsächlich wieder neue Rennräder baut und welches Modell das ist. „Ja die bauen wieder, das ist aber Modelljahr 99“ – baff war er 🙂

    Als nächsten Schritt möchte ich mir den Steuersatz und das Innenlager erneuern lassen um irgendwann dann mal eine neue Orange Lackierung anzustreben. Das Orange ist nicht mehr so knallig wie früher. An manchen Stellen ist dick der Lack abgeplatzt wegen des Alu-Rahmens. Zuletzt müssen noch original nachenpfundene blaue Schriftzüge entworfen und gedruckt werden.

    Und dann gehts in die Vitrine!

    Aber jetzt an den Blogmaster:
    Peugeot baut und verkauft wieder seit einigen Jahren neue Räder aller Art! Vom E-Bike übers Trekking übers MTB bis zum hochwertig ausgestattetem Rennrad. Und das Beste: keine Fixierung nur auf Shimano – es gibt Shimano UND Campagnolo-Modelle. Das ist einzigartig da alle anderen Hersteller immer nur eine Marke verbauen. Dazu wahlweise mit neuester Carbon-Rahmentechnologie. Die Preise sind sogar leicht unter den etablierten Platzhirschen.

    Immer wieder gibt es auch extravagante Kontaepträder, die manchmal sogar in Serienproduktion gehen. Produziert werden diese zumindest in handarbeit in Frankreich. Onyx sei hier als Reihe genannt.

    Bezug funktioniert tatsächlich wieder über den Fachhandel in erster Linie aber auch über den KFZ-Handel!

RSS feed for comments on this post.

Leave a comment

Bitte füllen Sie das Captcha aus * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.