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BikeBloggerBerlin von: am: 24.10.2012
BikeBloggerBerlin Autor(in):    |   24. Okt 2012   |    Kategorie: Radgeber,

Navigation auf dem Fahrrad

GPS-Navigation auf/mit dem Fahrrad: 1991 war dies noch Zukunftsmusik. Der Kompass in Verbindung mit der klassischen Karte war im letzten Jahrhundert bis in die frühen 90er das einzige „Straßennavi“. Steven K. Roberts wagte den Schritt in die Zukunft, investierte über eine Million Dollar und baute das erste Fahrrad, auf dem man telefonieren konnte, das über eine GPS-Navigation verfügte und einen Computer an Bord hatte. Und das lange, bevor man dies alles mit einem kleinen Kunststoffquader mit ein paar Mikrochips – im Volksmund „Smartphone“ genannt – für eine Handvoll Dollar bekommen konnte (nachzulesen in fahrstil no.4 ab Seite 36).

Selbst vor nicht allzu langer Zeit war die Navigation eine Angelegenheit für Profis, Smartphone-Freaks oder Menschen, die mehrere Hundert Euro für ein neues Gerät locker ausgeben konnten oder wollten. Wie sieht es im Herbst 2012 aus? Benötigt man auch heute noch einen GPS-Intensivkurs, um von A nach B zu gelangen? Muss man immer noch viel Geld ausgeben, um ein rundum gelungenes Produkt nutzen zu können?

Um diese Fragen zu klären muss erst einmal der Rahmen abgesteckt werden. Was verstehe ich unter Navigation mit dem Rad? Was soll ein Gerät leisten, was darf es kosten?

Grundsätzlich erwarte ich ein Gerät, das mit wenigen Eingaben Start und Ziel erfasst, das mir die Strecke grafisch darstellt und das Abbiegehinweise optisch (und eventuell akustisch) anzeigt. Ein (spritz-)wasserdichtes Gehäuse ist bei Radreisen / Langstrecken Pflicht. Ebenso eine lange Akkulaufzeit. Für die alltägliche Anwendung („Wie komme ich jetzt am schnellsten nach xyz?“) bin ich bereit, hier Abstriche zu machen. Aufgrund der beengten Verhältnisse am Lenker kommen nur Geräte im Hochformat in Betracht. Beim Preis würde ich für die genannten Einsatzbereiche den Vergleich zu Navis beim PKW ziehen wollen: hier sind Geräte deutlich unter 200 €, bei Einsteigermodellen sogar unter 100 € zu bekommen. Ein Fahrradnavi sollte also möglichst in diesem Preisbereich liegen.

Was bietet der Markt? Grob unterteilt: Outdoor-Navis, PKW-Navis, Fahrrad-Navis und Smartphones mit Navi-App. Zuerst sei mir eine kurze Rückblende erlaubt.

GPS

© BikeBlogger / www.bikeblogger.de

2009 begann für mich das velomobile GPS-Zeitalter. Noch mit einem Outdoor-GPS, bei dem das „Routing“, also das Anzeigen von Richtungen und Abbiegungen auf der Straße, nur Nebeneffekt war. Sprachanweisungen gab es nicht, echte Fahrradoptionen ebensowenig. Das Gerät war groß, vergleichsweise klobig, dafür wasserdicht und unglaublich robust. Ohne eine entsprechende Einarbeitungszeit war eine erfolgreiche Bedienung reine Glücksache. Um gerecht zu sein: Geräte dieser Art waren/sind nicht für den von mir gewünschten Einsatzbereich gedacht. Inzwischen gibt es aber auch in diesem Bereich Allrounder, die zusätzliche Fahrradoptionen anbieten. Noch ein Vorteil: ihr Akku reicht – zumindest aus der Sicht eines Radfahrers – nahezu ewig (bis zu 25 Stunden bei ununterbrochener Nutzung). Erfahrene GPS-Nutzer werden auch mit diesen Geräten am Fahrrad zufrieden sein.

Neben den klassischen GPS-Geräten gibt es natürlich bereits Navis, die auf diesen Einsatzzweck spezialisiert sind. Spritzwassergeschützte Fahrrad-Navis, Fahrradcomputer mit GPS, manche sogar mit Trittfrequenz- und Geschwindigkeitssensor sowie Herzfrequenzmessung und einer Akkulaufzeit von bis zu 16 Stunden. Diese Geräte beherrschen alles, was man sich als Radfahrer bzw. Radsportler wünschen könnte: Herunterladen von Touren aus dem Internet oder am PC selbst erstellter eigener Touren, vielfältiges, professionelles Kartenmaterial, Auswertung nahezu aller wichtiger Daten einer Fahrradtour oder eines Trainings. Ihr Nachteil: sie sind teuer (400 € sind hierfür ein normaler Preis, der oft nicht einmal alle Optionen beinhaltet) und extrem spezialisiert. Für Radsportler jedoch die erste Wahl.

PKW-Navis haben inzwischen eine weite Verbreitung gefunden. Da sie für den ständigen Anschluss am PKW-Stromnetz ausgelegt sind haben eventuell eingebaute Akkus meist keine lange Laufzeit (z.B. ca. 2,5 Stunden bei der Garmin Nüvi-Serie). Sie sind meist nicht für die Verwendung im Freien gedacht, also nicht wasserdicht. Ob die Nutzung eines bereits vorhanden PKW-Navis am Fahrrad sinnvoll ist muss anhand der eigenen Ansprüche und der Eigenschaften des Gerätes geprüft werden. Eine Anschaffung nur für die Nutzung am Fahrrad ist hingegen meist nicht sinnvoll, hierfür gibt es bessere Lösungen.

Seit dem Siegeszug von Smartphones aller Art ist diese Geräteart ein elektronisches „schweizer Taschenmesser“. E-Mail? Fotoapparat? Wetterbericht? Vielleicht eine Wasserwaage oder eine Sternenkarte? Fast alles ist möglich. Wohl kaum ein Smartphone wird noch ohne GPS bzw. Google Maps und einer Navi-App ausgeliefert. Also auch ein Navi für’s Rad? Jein. Ein paar Gründe für das jein:

  • Fast alle Smartphones sind nicht wasserfest. Schon ein kräftiger Regen kann zu Ausfällen führen. Die weit verbreiteten (kapazitiven) Displays lassen sich feucht nicht oder nur schwer bedienen. Auch mit Handschuhen geht es meist nicht. Halterungen für das Rad gibt es zwar, diese sind jedoch meist klobig. Auf interessante Lösungen gehe ich noch ein.
  • Die Akkulaufzeit mit eingeschalteter Internetverbindung (z.B. für Google Maps), ständig angeschaltetem Bildschirm und aktiviertem GPS-Empfang ist je nach Gerät bescheiden bis mangelhaft.
  • Für das Anzeigen der Karten benötigt man eine Internetverbindung. Diese ist jedoch nicht überall bzw. in jedem Netz deutschlandweit ausreichend verfügbar. Immer noch gibt es blinde Flecken auf der Landkarte der Netzabdeckung. Navigation im Ausland? Mit Internet möglich, aber trotz der gesenkten Roaminggebühren in der EU immer noch nicht wirklich billig. Im Nicht-EU-Ausland eigentlich unerschwinglich.
  • Weiterhin gibt es bei der Standard-Navi-App (noch) keine Optionen für Radfahrer. Dies ändert sich zwar langsam, für die Navigation mit dem Rad ist man im Moment jedoch noch auf dieselben Optionen wie bei der PKW-Navigation angewiesen. Fahrradgeeignete Routen werden daher nicht oder nur durch Zufall gefunden und vorgeschlagen.

Es gibt aber inzwischen Alternativen zu den auf den Geräten vorinstallierten Tools bzw. Karten, die im Appstore (für Apples iPhones) bzw. in den „Markets“ für Android-Smartphones (wie z.B. Google Play, Amazon App-Shop oder App-Center von AndroidPIT) verfügbar sind.

Diese Apps (für Android) habe ich mir näher angesehen:

  • BBBike
  • Komoot
  • Naviki
  • BikeCityGuide

Hier eine Kurzvorstellung der Apps:

BBBike ist eine App im Betastadium, die auf die bewährte und bisher in meinen Augen unerreichte PC-Routenplanung www.bbbike.de zurückgreift. Genau genommen ist auch die App keine Navi-App sondern ein Routenplaner für Android-Handys. Nach Eingabe von Start- und Zielort werden ein paar Routenoptionen abgefragt, die fast alle Varianten zwischen schnell + direkt und komfortabel und verkehrsarm (aber mit kleinen Umwegen) abdecken. Als Ergebnis erhält man eine ausführliche Routenbeschreibung in Textform oder als Darstellung in Google Maps. Hier hört dann auch der Einfluss von BBBike auf: ob bzw. wie die Route als Navigation durchgeführt wird, dies kann die App (zur Zeit noch?) nicht beeinflussen.

Art der App
Online-Routenplanung für Android. Keine Offline-Version für Android. Für PC/Mac auch als offline-Routenplanung verfügbar.

Abdeckung
BBBike ist in Berlin entstanden, wurde aber inzwischen auf diverse Städte Deutschlands, Europas und weltweit ausgedehnt.

Zugriff
BBBike ist frei verfügbar, kein Login möglich/erforderlich.

Preis
BBBike ist auf allen Plattformen kostenlos.

Speicherbedarf
Gering (~ 500 kB). Ablage der App auf SD-Karte möglich (App to SD).

Internet-Link
BBBike-Routenplanung

 

© Komoot

Komoot
war die erste mir bekannte App für die Fahrrad-Navigation mit dem Smartphone. Komoot ist gleichzeitig auch eine persönliche Tourendatenbank bzw. ein Tourenportal mit angeschlossener Community.

Art der App
Online-Routenplanung und -Navigation für iPhone/Android bzw. PC/Mac. Sprachnavigation und grafische Abbiegehinweise. Nach Herunterladen der Karten auch offline-Navigation möglich. Für die Routenplanung ist weiterhin eine Online-Verbindung erforderlich. Keine Tacho-Funktion. Verschiedene Sport- bzw. Fortbewegungsarten einstellbar (Laufen / Radfahren / Rennrad / etc. bis hin zur Schneeschuhtour) – online. In der App eingeschränkter, jedoch auch hier MTB / Fahrrad / Rennrad möglich. Tourendatenbank und -portal.

Abdeckung

Komoot ist wie BBBike in Berlin entstanden. Auch hier gibt es inzwischen ein breites Kartenangebot: ganz Deutschland, Österreich, Schweiz, Slowenien, Belgien, Niederlande, Azoren, Balearen, Kanaren, Madeira, Korsika, und Sardinien.

Zugriff
Komoot ist als Routenplaner online am PC/Mac ohne Login nutzbar. Für den Download der Karten auf das Smartphone ist eine Anmeldung erforderlich.

Preis
Die Heimatregion kann kostenlos heruntergeladen und genutzt werden. Jede weitere Region kostet 3,99 € bzw. als Paket 8,99 €. Alle Regionen zusammen kosten 29,99 €.

Speicherbedarf
Vergleichsweise hoch (~ 4,5 MB). App to SD ist nicht möglich. Offline-Karten: ab ~ 350 MB pro Region.

Internet-Link
Komoot-Routenplanung

 

© Naviki

Naviki
ist mir bereits 2010 aufgefallen. Seither wird der Onlinedienst als Beta-Version bezeichnet. Naviki ist nicht als Navigationstool für Städte konzipiert sondern wendet sich primär an Radfahrer, die Touren fahren wollen.

Art der App
Online-Routenplanung und -Navigation für iPhone/Android bzw. PC/Mac. Keine Offline-Version verfügbar. Die Navigation erfolgt durch das Nachfahren einer grafisch dargestellten Route. Abbiegehinweise oder Sprachanweisungen sind nicht vorgesehen.

Abdeckung
Zur Zeit ganz Deutschland. Eine Ausweitung ist geplant.

Zugriff
Naviki ist als Routenplaner / Navi online am PC/Mac bzw. auf dem Smartphone ohne Login nutzbar. Weiterführende Funktionen (Aufzeichnen von Strecken, Download von am PC geplanten Touren etc.) setzen eine (kostenfreie) Registrierung voraus.

Preis
Naviki ist auf allen Plattformen kostenlos.

Speicherbedarf
Mittel (~ 1,5 MB). App to SD ist nicht möglich.

Internet-Link
Naviki-Routenplanung

 

©BikeCityGuide

©BikeCityGuide

BikeCityGuide
ist die jüngste App im Vergleich und im Gegensatz zu Komoot und Naviki ausschließlich auf die Verwendung in Städten ausgerichtet. BikeCityGuide eignet sich für Radfahrer, die für die bevorzugte Nutzung ruhiger Strecken / Fahrradstraßen oder -spuren auch bereit sind, Umwege in Kauf zu nehmen.

Art der App
Offline-Routenplanung und -Navigation für iPhone/Android. Sprachnavigation und deutliche grafische Abbiegehinweise.

Abdeckung
Mehr als 20 Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eine Ausweitung ist geplant.

Preis
Während der Einführungsphase ist der Download der Karten für Deutschland und die Schweiz kostenlos. Danach 6,99€ / Stadt (ebenso in Österreich). Städte haben die Möglichkeit, den Download zu subventionieren. So ist der Download der Grazer Karte dauerhaft kostenlos.

Speicherbedarf
Gering (~ 500 kB). Ablage der App auf SD-Karte möglich (App to SD). Offline-Karten: pro Stadt ~ 30-50 MB.

Besonderheit
Neben der App bietet BikeCityGuide auch eine spezielle Smartphone-Halterung an – simpel und funktional. Mit Langzeiterfahrungen kann ich noch nicht aufwarten, für 6,99 € ist sie jedoch einen Test wert: bestellen kann man die Halterung im Store des Anbieters.

Internet-Link
BikeCityGuide (keine Routenplanung möglich)

 

Tipps und Tricks rund um die Navigation:

Outdoor GPS Empfänger – 10 Tipps

Stromversorgung auf dem Fahrrad

 

Der Artikel erschien im Original auf BikeBlogBerlin.





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