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von: Dieter am: 26.10.2012
Autor(in): Dieter    |   26. Okt 2012   |    Kategorie:

Herbsttour nach Erftstadt-lechenich


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Die Radtour begann turbulent. Richtung Bad Godesberg, ich befand mich im Kreisverkehr, Einmündung von rechts, dort nahm mir eine Autofahrerin die Vorfahrt. Ich bremste ab. Jung, hübsch, blond, schulterlanges Haar, schaute sie mich an. Doch sie zeigte keinerlei Regung und fuhr unverdrossen weiter. Einen Kilometer weiter, setzte ein Paketzusteller der DHL rückwärts aus einer Hauseinfahrt zurück, ohne mich zu beachten. Ich hatte fast das Stadtgebiet verlassen, da überquerte ein Fußgänger an einer Abzweigung die Straße. Mitten auf der Straße, überlegte er es sich anders, machte eine Kehrtwendung und schritt, ohne auf jeglichen Verkehr zu achten, zu derselben Straßenseite zurück. Was war los heute ? Wurden Radfahrer als Freiwild betrachtet, das man nach Lust und Laune über den Haufen fahren konnte ?

Sonne und schönes Wetter hatte mich aufs Fahrrad gelockt. Die 20 Grad-Marke war locker geknackt, und gereizte oder aggressive Stimmungen, wie ich diese im Straßenverkehr erlebt hatte, waren fehl am Platze. Wahrscheinlich war dies eine der letzten längeren Radtouren in diesem Jahr. Eine flache Tour hatte ich mir ausgesucht: 80 Kilometer insgesamt, nach Erftstadt-Lechenich.

So ungefähr die schönste Jahreszeit hatte ich erwischt. Auf dem Höhenrücken des Kottenforstes angekommen, schillerte bunt, im kompletten Farbspektrum von Grün über Gelb bis Rot der Herbst. Das war herrlich. Dabei genoß ich das gut ausgebaute Radwegnetz im Kottenforst. Ohne nennenswerte Hügel, fernab jeglichen Autoverkehrs, schweifte ich in der puren Lust des Rennradfahrens. Das Herbstlaub glänzte, die abgestorbene Blätterpracht sammelte sich am Wegesrand. Seicht tanzend in der Luft, hatte der Wind sie zuvor herab geweht.

Ab Flerzheim öffneten sich die Felder. Die Sonne sammelte ihre Kräfte und schien ungehemmt in den Herbsthimmel hinein. Schleierwolken verloren sich am Himmel. Im Sonnenlicht wirkten die Reihen von Ziergehölzen und Sträuchern, die zu Baumschulen gehörten, noch penibler angeordnet. Sorgfältig abgemessen, wie mit dem Lineal gezeichnet, erstreckte sich dieses allzeit überdauernde Grün von Koniferen, Wacholdern, Zypressen oder Buchsbäumen. Herbstliche Stille hing über der Nebenstrecke, die sich bisweilen in Kurven zu verirren drohte.

Heimerzheim, dann ein Abstecher zur Wasserburg in Metternich. Das Rheinland war geradezu übersät mit Wasserburgen. Die meisten Wasserburgen waren Privileg und Repräsentation. Dass sie so zahlreich waren, hing zum einen mit dem flachen Gelände zusammen, zum anderen, dass auch dem niederen Adel solche Privilegien zugestanden wurden. Dadurch wurden sie über Jahrhunderte hinweg gepflegt, instandgehalten und umgebaut. Da sämtliche Wasserburgen im Köln-Bonner Raum nicht öffentlich zugänglich waren, schenkte ich ihnen kaum Beachtung. Am Wegesrand, war ich in Lüftelberg und Heimerzheim an Burganlagen vorbeigefahren. Steinalt war die Wasserburg in Metternich, nämlich aus dem 13. Jahrhundert. Die Seitentrakte wurden im 19. Jahrhundert umgebaut. Kurz ließ ich mich von den herbstlichen Impressionen rund um den Wassergraben beeindrucken, dann radelte ich weiter.

 

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In Weilerswist verfluchte ich die Straßenführung, die offensichtlich nur für Autofahrer gemacht war. Sie kreiste in riesiger Entfernung um Weilerswist herum. Ich wollte aber ins Zentrum hinein, dann weiter nach Lechenich. Unbeschildert, tastete ich mich ins Zentrum. Danach wiesen die Schilder nach Köln oder Brühl, das war die falsche Richtung. Ich fuhr in die entgegengesetzte Richtung, und prompt befand ich mich auf der Umgehungsstraße weit um Weilerswist herum. Das war ein riesiger Umweg.

 

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Im nächsten Ort, Bliesheim, fehlten wieder die Straßenschilder. Ich fragte einen Anwohner, und diesmal landete ich auf der richtigen Straße in Lechenich. Wegen des riesigen und schönen Marktplatzes hatte ich mir dieses Ziel ausgewählt. Pause wollte ich machen, ein Weizenbier trinken. Doch Außengastronomie war in Lechenich unbekannt. Ein Eiscafé quoll über von Menschen, außerdem eine Bäckerei, das war es. Das war eine Schande für einen solch schönen Marktplatz. Der Durst auf ein Weizenbier war mir vergangen, denn ich hatte keine Lust, mir in dem Eiscafé in diesem Gewimmele von Menschen einen freien Platz zu suchen.

Also weiter nach Liblar. Auf dem Weg dorthin setzten sich die typischen Radfahr-Erlebnisse  fort. Die Umgehungsstraße von Lechenich endete. Dahinter rauschte der Verkehr über die Autobahnauffahrt auf die A61. Die Straße weitete sich auf vier Spuren. Rechterhand zunächst die Auffahrt in Richtung Koblenz, dann die Auffahrt in Richtung Köln. Ich suchte verzweifelt. Weder auf der einen Seite, noch auf der anderen Seite gab es einen Radweg. Also mitten hindurch ! Durch den Autoverkehr. Niemand hupte, LKW’s brausten fleißig an mir vorbei, einige hundert Meter weiter wurde ich erlöst durch die Abbiegespur eines Radwegs.

 

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In Liblar wurde ich an die Wurzeln der Revolution von 1848 erinnert, die eigentlich keine war. Carl Schurz war in Liblar geboren. 1849 war er gemeinsam mit Gottfried Kinkel eine der maßgeblichen Wortführer der Revolution im Rheinland. Als er wegen Volksverhetzung verfolgt wurde, floh er nach Baden. Dort zettelte er eine neue Revolution an, das war die badische Revolution. Erneut verfolgt, floh er nach London und Paris. Da selbst dort preußische Truppen präsent waren, wanderte er 1852 nach Amerika aus.

In Liblar sollte ich endlich mein Weizenbier bekommen. An einem schmucklosen Platz, wo die Hauptstraße zum Bahnhof abbog, waren an einem Eiscafé reichlich Plätze frei. Zu zweit oder zu dritt, gesellten sich Schüler dazu. Ich streckte meine Beine in die Länge. Die goldene Oktobersonne schien ungestört.

 

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Wunderschön, wie zuvor im Kottenforst, tauchte ich hinter Liblar in die Idylle des Herbstes ein. Auf dem eigenen Radweg war ich für mich alleine. Zwischen den Bäumen hindurch, schillerte rechterhand die Oberfläche des Liblarer Sees. Ansatzweise konnte ich erkennen, welche Seenlandschaft man aus dem früheren Braunkohlentagebau geschaffen hatte. All die Seen zwischen Brühl und Liblar kannte ich kaum. Nicht nur zur Herbstzeit, muss es dort wunderschön sein.

Wieder dieses Farbenspiel von Rot nach Grün nach Gelb nach orange. Ich genoß es, denn in einigen Wochen würde es mit dieser Pracht vorbei sein.

 

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3 Kommentare »

  1. Inge — 17. Januar 2013 @ 10:57

    Hallo Dieter,
    habe Ihren Bericht mit Interesse gelesen. Fahre zwar kein Rennrad, aber würde gerne die RegioGrün Routen Süd, Süd-West und Nord – alle von Köln ausgehend – abfahren. Süd = von Köln Volksgarten nach Bonn Hofgarten, Süd-West = Brühl und die Villseen. Können Sie mir da Informationen geben. Sind diese Routen beschildert?
    Würde mich über eine Nachricht freuen.

  2. Volker — 23. März 2014 @ 07:45

    Suche in Lieblar Rennrad Freunde für 50 Kilometer und schnitt 20-25 kmh. Währe nett wenn sich einer melden würde. Danke

  3. Max
    Max — 24. März 2014 @ 10:33

    Hallo Volker,

    es könnte sein, dass Deine Frage hier recht wenige Besucher sehen, da der Artikel schon von 2012 ist.
    Du könntest zum einen selber einen neuen, aktuellen Beitrag, mit z.B. einem schönen Tourenbericht schreiben, der dann chronologisch ganz oben, als neuster Beitrag im Blog aufgelistet wird und dort auch nochmal Deine Frage stellen oder Du schreibst uns auf unsere Facebook Pinnwand Seite (Radfahren und Radtouren in Deutschland) und fragst dort nach möglichen Rennrad Freunden an.
    Viele Grüße,
    Max

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