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von: Dieter am: 28.02.2014
Autor(in): Dieter    |   28. Feb 2014   |    Kategorie: Tourentipps,

Im Siebengebirge über die Margaretenhöhe

Den Bonnern gilt der Petersberg als Sündenfall der Verschwendungssucht. 1978 von der Bundesrepublik erworben, war den Regierenden der Petersberg sympathischer als das Schloß Gymnich, wo bis dahin die Staatsgäste übernachtet hatten. Repräsentativer, näher an der Bundeshauptstadt, Gästehaus inklusive, so lauteten die Argumente für den Kauf. 18,5 Millionen DM kostete damals das Gästehaus. Danach konnte fleißig saniert und umgebaut werden, denn das Gästehaus war seit 1973 ungefähr nicht mehr bewohnt worden. Die Erhöhung der lichten Höhe des Speisesaals für eine halbe Million DM, eine zusätzliche Direktorenwohnung für 200.000 DM, eine Fußbodenheizung für 1,3 Millionen DM oder eine aufwendigere Klimaanlage für 1,6 Millionen DM, eine schönere Beleuchtung für 595.000 DM. Dadurch schossen die ursprünglich geplanten Baukosten von 103 Million DM auf 140 Millionen DM in die Höhe. Der Petersberg hat Schlagzeilen gemacht – durch die explodierenden Baukosten.

Der Petersberg im Siebengebirge

Der Petersberg im Siebengebirge

8 % Gefälle den Petersberg hoch

8 % Gefälle den Petersberg hoch

Einstweilen schaue ich von Königswinter aus auf den Petersberg. Wie blank geputzt, lacht die weiß-gelbe Fassade mit dem Mansardendach vom Berg hinab. Aus dem Rheintal kommend, lasse ich die Höhenmeter auf mich zukommen. Zuerst die Autobahnbrücke über die B42, wo sich der Anstieg mit aller Macht meinem Rennrad entgegen stemmt. Ich muss mächtig treten. Einen Kilometer weiter lese ich auf der Gegenspur: 8% Gefälle. Allmählich verschwindet der Petersberg hinter meterhohen Sträuchern, die die Höhe von Bäumen wie Birke, Erle oder Weide erreichen. Der Lärm der Umgehungsstraße ist verstummt. Die Steigung schraubt sich tiefer ins Siebengebirge hinein.

Vom Rheintal auf die Margarethenhöhe

Vom Rheintal auf die Margarethenhöhe

Für mich ist die Tour vom Rheintal auf die Margaretenhöhe so eine Art Königsetappe. Gleich mehrere bildhübsche Strecken führen aus dem Rheintal quer durchs Siebengebirge. Davon ist die Margaretenhöhe die härteste Variante. Die fünf Kilometer ziehen sich von 70 Meter Höhe im Rheintal auf 320 Meter auf der Margaretenhöhe hoch. Das erste und das letzte Stück steigt mit 8% fulminant an. Dazwischen liegen rund 5% Steigung. Das ist das schwierigste Anspruchsniveau in der näheren Umgebung. Treten und ein ordentliches Durchhaltevermögen ist hier gefragt. Bis zum Schluss des Anstiegs, der seine Tücken hat. Denn mit aller Kraft, die ich aufwenden muss, legt die Steigung nochmals zu, sie verlangt mir alle Reserven ab und ich muss alles aus meinem Körper heraus holen und ich krieche die letzten Meter nur noch.

Um mir die Margaretenhöhe vorzunehmen, muss ich sogar einen inneren Schweinehund überwinden – was ich sonst nicht kenne beim Rennradfahren. Das liegt weniger daran, dass die Tour zu anspruchsvoll ist, sondern mehr am Verkehr. Hinter Ittenbach mündet die Hauptstraße geradewegs auf die A3, so dass die Paßstraße von Bonn aus als Abkürzung in Richtung Westerwald viel genutzt wird. Dementsprechend knubbeln sich die Autos – inklusive LKW’s. Das ist schade, denn die Straße windet sich in Kurven wunderschön durchs Siebengebirge. Eingerahmt von lauter Wald, plätschert ein Bach geduldig ins Tal hinunter. Von Wanderparkplätzen breitet sich ein Spinnennetz von Wanderwegen aus.

Kurze Pause in einer Gaststätte am Wegesrand

Kurze Pause in einer Gaststätte am Wegesrand

Wenn ich die Margaretenhöhe erreicht habe, konzentriert sich dieses Netz von Wanderwegen. Schilder mit Wegmarkierungen allenthalben. Der Ölberg, der höchste Berg des Siebengebirges, ist mit seinen 460 Metern Höhe in direkte Nähe gerückt. Das Ausflugslokal „Margaretenkreuz“ lockt mit seinem Biergarten in luftiger Höhe. Im Naturparkhaus kann man näheres über Geologie oder Naturschutz des Siebengebirges erfahren. Ich atme kurz durch, dann stürzt die Straße mit 8% Gefälle nach Ittenbach herunter. Ich muss mehr bremsen, als mir lieb ist. Die Landschaft zischt an mir vorüber. Als ich in Ittenbach nach links auf die Nebenstraße abbiegen möchte, spüre ich, wie mein Vorderrad nachgibt. Mit reichlich Bodenhaftung biege ich um die Ecke. Ich steige ab, pumpe auf, das Vorderrad hat Luft verloren. Später, in Sankt Augustin, erneut aufpumpen, doch für den Rest der Strecke hält mein Vorderreifen durch.

Blick ins Tal, der alle Anstrengungen belohnt

Blick ins Tal, der alle Anstrengungen belohnt

Ab Ittenbach genieße ich die Abfahrten. Denn wenn ich mich bis zur Margaretenhöhe so mächtig den Berg hinauf gequält habe, muss es auch den Berg hinuntergehen. Auf der Nebenstraße genieße ich die Ruhe. Spärlich fließt der Verkehr, vor Thomasberg driftet der Blick ins Tal hinab, wo sich die gewellte Hügellandschaft des Westerwaldes an das Siebengebirge anschließt. Die ICE-Strecke und die A3 verstecken sich im Tal. Am Wegesrand grüßt erneut ein Wanderparkplatz, wo sich ein Netz von Wanderwegen verzweigt. Diese Radtour ist kurz, heftig und intensiv. Es sind nur 45 Kilometer, die aber mitten durch das Herz des Siebengebirges führen. Ab Thomasberg folgen zwei wunderschöne Abfahrten, die mich für die gewaltige Steigung zur Margaretenhöhe entschädigen.

Reife Kürbisse

Reife Kürbisse

Ich schieße die Abfahrten hinunter, vorbei an Apfelbäumen, wo ich jede Menge reife Äpfel sehe. Und ich sehe schon dies Vorahnung auf den Herbst: Kürbisse, sorgfältig aufgereiht, orange-rot-grün schillert ihr Farbenspiel in den Herbst hinein.





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