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Dirk von: Dirk am: 4.03.2016
Dirk Autor(in): Dirk    |   4. Mrz 2016   |    Kategorie: Brandenburg, Genusstouren, Radwege,

Saisonauftakt auf dem Flaeming Skate in Brandenburg

Sonntag früh, zehn Uhr, Ende Februar. Strahlender Sonnenschein lässt die glitzernden Reste des Nachtfrostes (nennt man das Frühreif?) tauen. Heute ist die erste große Ausfahrt der Saison. Ziel war mal wieder der Flaeming Skate, ein wunderbares Netz aus allerfeinsten Radwegen und nahezu autofreien Straßen, eine halbe Stunde Autofahrt südlich von Potsdam.

Start alter Bahnhof in Jänickendorf

Start alter Bahnhof in Jänickendorf

Die erste Stadt auf dem Flaeming Skate ist Luckenwalde. Ich parke in einem kleinen Dörfchen nicht weit entfernt, lade das Faltrad aus und rolle in die Morgensonne. Fast kein Mensch ist zu sehen. Dafür endlose Weiten, Felder, ein paar nackte Bäume und erstes zartes Grün an einigen Zweigen. Nur die Vögel sind schon davon überzeugt, dass es Frühling ist. Ich fahre erstmal Richtung Osten. Es war gut, dass ich mein Navi programmiert hatte: Die Markierungen, die mir Abzweige anzeigen sollen, sind größtenteils verblasst. Die beinahe meditative Sonntagsstimmung sorgt dafür, dass ich die verwitterten blauen Linien oder Pfeile manchmal übersehe und einfach geradeaus weiterfahre … bis mich die Elektronik „weckt“ und zum Abzweig zurückschickt.

Schattenspiele auf einsamen Straßen

Schattenspiele auf einsamen Straßen

Rund eine Stunde später erreiche ich Glashütte. Ein hübsches Museumsdorf, in dem sich alles um Kunst, vor allem um Glaskunst, dreht. Hier treffe ich auf die ersten anderen Ausflügler. Eigentlich ist es zu früh für eine Mittagspause, aber ich liebe den kleinen Dorf-Konsum mit seinen leckeren frischen Räucherwaren. Eine Rauchwurst und eine dicke Scheibe duftendes Krustenbrot, soviel Zeit muss sein.

In Glashütte sind Radfahrer willkommen

In Glashütte sind Radfahrer willkommen

Langsam biegt der große Rundkurs Richtung Süden ab. Insgesamt bietet der Flaeming Skate acht verschiedene Rundkurse (RK) und ein paar schöne Nebenstrecken (S), die sich sehr gut kombinieren lassen. Ich wollte diesmal eine der größten Runden fahren: Eine Kombination aus RK1 und RK8, insgesamt rund 150 km.

Die Dahme und ihre Nebenarme

Die Dahme und ihre Nebenarme

Die offene Landschaft mit den sonnenbeschienenen Nebelschwaden über den Äckern wich inzwischen einem endlosen Wald. Kilometer um Kilometer nur Bäume und klare Bäche – ich bin im Naturpark Dahme-Heideseen. Ein Feldhase hoppelt eher entspannt als panisch vor meinem Rad weg. Ein Schild am Wegesrand verrät mir, dass sich der RK8 diesen Abschnitt mit dem Gurken-Radweg teil. Würde ich der radelnden Gurke weiter folgen, käme ich in die Niederlausitz und den Spreewald. Reizvoller Gedanke, aber ich muss ja irgendwann zum Auto zurück.

Ein Stück Gurkenradweg

Ein Stück Gurkenradweg

So folge ich weiter dem Rundkurs, der sich irgendwann gen Westen neigt. Immer noch unzählige Flüsschen, es sind Nebenarme der Dahme und natürlich die Dahme höchstpersönlich, ziehen sich nun wieder durch weite Auenlandschaften, malerische Dörfchen und gepflügte Äcker. Die Pferde auf den Koppeln sehen mir gelangweilt hinterher und glückliche Rinder auf den Weiden nehmen überhaupt keine Notiz von mir. Es ist fast unglaublich, aber der Wettergott ist mir hold. Die Sonne scheint noch immer und sogar der schwache Wind weht heute überwiegend in vorteilhafte Richtungen. Am Feldrand steht eine eigenwillige Konstruktion: Auf einem alten Anhänger hat jemand zwei Blechcontainer gestapelt, in die Fenster und Türen geschnitten wurden. Eine Leiter führt bis nach oben. Das Ganze ist tatsächlich ein zweistöckiger Aussichtspunkt. Kurze Pause, dann gehts wieder weiter.

Ein eigenwilliger Aussichtsturm

Ein eigenwilliger Aussichtsturm

Am Rundkurs liegt das Fleckchen Oehna. Im Sommer bin ich gern hier. Man kann sich Liegeräder und Trikes ausleihen (oder kaufen), findet überall schöne Gartenlokale und kann sich im Freibad erfrischen. Dieses kleine Freibad ist wirklich gelungen – mit Wasserrutsche, mehreren Becken, Wasserspielen und mehr. Die Edelstahlbecken blitzen in der Sonne. Nebenan ist ein Campingplatz. Wer mit Kindern auf dem Skate unterwegs ist und sich mehrere Tage Zeit nimmt, sollte Oehna als Etappenziel einplanen.

Windräder von vorn bedeuten Rückenwind

Windräder von vorn bedeuten Rückenwind

Bis jetzt sind mir gerade mal vier andere Radfahrer begegnet. Bis zum Abend wird sich die Zahl verdoppeln und noch zwei Skater dazu kommen. In Berlin, einen Steinwurf weit entfernt, teilen sich fast viertausend Menschen einen Quadratkilometer. Hier draussen leben zum Teil nicht mal fünfzig Einwohner auf der selben Fläche. So schön, wie die Einsamkeit ist, so dumm war es von mir, dies nicht einzuplanen. Wie immer fahre ich mit minimaler Ausrüstung. Eine große Wasserflasche reicht mir gewöhnlich. Wenn die zur Neige geht, halte ich am nächsten Bäcker, einer Tankstelle, einem Supermarkt und fülle wieder nach. Doch heute – in der Vorsaison – hat nichts geöffnet. So langsam bekomme ich Durst. Da: Endlich! Ein Gasthof richtet gerade ein buntes Kinderfest aus. Ich darf meinen Vorrat auffüllen und weiter gehts. Gerettet!

Die Hochzeitsmühle ist im Sommer wirklich romantisch

Die Hochzeitsmühle ist im Sommer wirklich romantisch

Der Himmel zieht sich ein wenig zu, es wird diesig, grau und ein bisschen kälter. Die allgegenwärtigen Windräder schnurren. Mein Kurs biegt nun langsam gen Norden ab, um den Kreis irgendwann zu schließen. Schade, dass der Wind nicht auch abbiegt. Alle paar Kilometer sind am Wegesrand liebevoll gestaltete und saubere Rastplätze. Die meisten sind sogar wettergeschützt.

Liebevolle Rastplätze überall

Liebevolle Rastplätze überall

Viele der Rundkurse streifen die tausendjährige Stadt Jüterbog. Ein Tipp für Berliner, denn ab Wannsee fährt ein jede Stunde ein Zug der ODEG hierher und der Bahnhof ist gerade mal 500 Meter vom Flaeming Skate entfernt. Zu Jüterbog gehört auch Kloster Zinna. Vor rund 850 Jahren wurde hier ein Zisterzienserkloster gegründet. Heute beherbergen die beeindruckenden Gemäuer ein Museum und eine nach Kräutern duftende Brennerei (Zinnaer Klosterbruder). Überall im Dorf sind Weberstuben.

Meine Route nähert sich dem Ende. Nur noch zehn Kilometer bis Luckenwalde, bzw. dreizehn bis Jänickendorf, wo mein Auto wartet. Es ist kurz vor sechs, es dämmert und so langsam werden die Finger kalt. Der Akku im Navi hatte bereits kurz vor Jüterbog seinen Dienst quittiert, aber egal: Hier kann man sich nicht mehr verfahren. Riesige Vögel starren mich neugierig an: Hinter einem Wassergraben, einem Elektrozaun, einem Stacheldraht und einem über zwei Meter hohen Maschendrahtzaun ist eine Straußenfarm. Ähmmm … hallo? Das sind doch nur Vögel, keine Löwen! Sind diese Laufvögel wirklich so gefährlich? Oder gefährdet?

Die Schneeglöckchen machen auch schon Feierabend

Die Schneeglöckchen machen auch schon Feierabend

Nach acht Stunden entspannter Fahrt und 150 Kilometern schließt sich der Kreis. Ein Tag in einem perfekten Radrevier. Wenn der Rest der Saison auch nur halb so gut wird, wie der Auftakt, dann bin ich schon zufrieden.





5 Kommentare »

  1. Dirk — 10. März 2016 @ 15:14

    So einen Start in die Saison hat man doch gerne! Klingt wirklich sehr verlockend und zum neidisch werden. Ich freue mich aber auch, dass das Wetter endlich wieder längere Touren zulässt.

  2. Mario — 11. März 2016 @ 18:44

    Danke Dirk! Fläming Skate steht schon einige Zeit auf unserem „Zettel“. Das wird jetzt endlich in Angriff genommen in diesem Frühjahr! Frisch ermutigt durch deinen wunderbaren Bericht!

  3. Peter — 8. Juni 2016 @ 13:34

    Echt ein toller Start in die Saison! Euch weiterhin viel Glück 🙂

  4. Soeren — 6. September 2016 @ 07:25

    Die Fläming Skate ist bei mir auch einmal im Jahr mindestens unter den Rädern. Ich will sie dieses Jahr auch endlich noch zum ersten Mal mit dem Liegerad fahren. Bisher bin ich immer sportlich mit einem Cross- oder MTB unterwegs. Leider merkt man über die Jahre auch die Veränderungen. Etwa die Wurzeln der Bäume, die langsam durch den Radweg drücken. Die Fahrbahnmarkierungen für solche Stellen nehmen zu.

    Im Winter – sofern wir einen bekommen – möchte ich auch mal dort fahren. Bisher war es immer Frühjahr und Sommer. Herbst und Winter fehlen mir noch. 🙂

    Weiterhin gute Fahrt und viel Spaß auf dem Rad!

  5. Toni — 16. Februar 2017 @ 17:53

    Ich wusste gar nicht, dass von Berlin ein Zug so regelmäßig Richtung Flamming Skate fährt! Der Frühling kommt immer näher und dein Ausflug im letzten Jahr motiviert mich nun richtig auch bald wieder das Rad rauszuholen.
    Der Flamming Skate ist wirklich schön, nicht nur für Radfahrer, auch als Inline Skater habe ich den schon oft genutzt.
    Auf jedenfall werde ich einige deiner genannten Orte mal besuchen müssen. Vielen Dank
    Toni

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