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von: blade_runner am: 21.12.2016
blade_runner Autor(in): blade_runner    |   21. Dez 2016   |    Kategorie: Baden-Württemberg, Bahntrassenradweg, Bayern, Tourentipps,

Über die Ostalb nach Franken

Ein verlängertes Wochenende in Mittelfranken. Sehr gern, aber ich möchte ein Stück mit dem Rad fahren. So entstand die Idee zu dieser Tour. Da mein Fitnessstand die komplette Strecke von Nürtingen nach Aurach nicht zuließ, musste eine 100 km Route gefunden werden.

Ostalb_Franken_Remstal

Kurz geschaut, von Nürtingen nach Göppingen mit dem Zug, ab da sollte ich die Strecke hinbekommen.

Bis dato bin ich noch nie mit dem Navi meines Garmin gefahren, wird Zeit das auszuprobieren. Das Erstellen der Strecke über Komoot war ein Kinderspiel, allerdings Export der Daten geht nur als Premium Mitglied bzw. wenn man die komplette Karte kauft. Also Route über naviki nachbauen und Export der Daten zum Garmin. Da ich aber dem Braten nicht so recht traute, erstellte ich vorsichtshalber noch ein Zettel „Backup“ mit der Route. Die Wettervorhersage war prima und so stand der Tour nichts weiter im Wege.

Ostalb_Franken_Zettel_Backup

Euphorie, am 30.09.2016 ging es um 08:00 Uhr zu Hause los. Erste Station Bahnhof Nürtingen. Ab in den Zug und über Plochingen nach Göppingen. Am Bahnhof Plochingen saß ein weiterer Radler auf einer Bank und wir sind ins Gespräch gekommen. Der gute Mann ließ meine Tour eher wie eine Kaffeerunde aussehen, sein Plan war irgendwas bei 200 km von Ulm irgendwo Richtung Österreich zu fahren. Soll er ruhig dachte ich mir. Wir verabschiedeten uns und er gab mir noch den Hinweis, dass er schonmal bis Nürnberg mit dem Rad gefahren ist und die Strecke alles andere als flach ist. Schauen wir mal.

Vom Bahnhof Göppingen ging es erst einmal ein Stück durch die Stadt und dann bergauf Richtung Wäschebeueren. Bergauf, dass sollte zum Motto des gesamten Tages werden. Kurz nach Göppingen bog ich auf die Stauferschleife ein. Ein wunderschöner, komplett asphaltierter 28 km langer Rundradweg auf einer ehemaligen Zugstrecke. Die komplette Runde kann sehr gut mit dem Rennrad gefahren werden. Start und Zielpunkt ist der Südbahnhof in Schwäbisch Gmünd.

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In Bettringen (Schwäbisch Gmünd) ging es runter von der Stauferschleife Richtung Remstal und nach ein bisschen Auf und Ab, parallel zur B29 weiter über Zimmern, Böbingen an der Rems nach Möggingen.

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Hier hatte ich zum ersten Mal den Verdacht, dass so eine automatisch erstellte Route vielleicht doch nicht immer die beste Streckenführung bereithält. Das Garmin lenkte mich die möglichst schmalsten und steilsten Wege durch den Ort. Das sollte sich die ganze weitere Tour so hinziehen. Jeder Hügel, der sicher problemlos zu umfahren wäre, musste aufgrund mangelnder Ortskenntnis, frontal erstürmt werden.

Nächstes Highlight, Fachsenfeld nebst gleichnamigem Schloss.

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Vom Neckar über die Fils und Rems nun weiter zum Kocher und über den schönen Kocher-Jagst Radweg  nach Niederalfingen mit der Marienburg.

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Weiter ging es am Kocher Richtung Hüttlingen. Ab da begann der „ländliche“ Teil der Reise. Die Ortschaften wurden rarer und eine zweite Schwäche des Radreisens per Navi tat sich auf. Die Routen sind offensichtlich so konzipiert, dass man möglichst wenig durch Ortschaften fahren muss. An sich ist das eine prima Sache, vorausgesetzt die Karten zur Grundlage der Routenberechnung sind auch aktuell. Nicht jeder Feldweg stellt sich in Wirklichkeit als befahrbar heraus und manchmal ist eine Kuhweide eben eine Kuhweide. Weiterer Nachteil, meine Vorräte an Wasser gingen so langsam zur Neige. Getrunken hatte ich sowieso zu wenig und das ewige Auf und Ab fing so langsam an von „ok, ist ja nicht so steil“ zu „schon wieder so ein blöder Hügel“ zu rutschen. Die größeren Orte wie Ellwangen sah ich nur noch aus der Ferne und in den Dörfern, die ich passierte, war die Versorgungssituation mit Lebensmitteln und Getränken unter aller Sau, es gab schlicht weder Bäcker noch Metzger noch Tankstelle.

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Nach so ziemlich genau 80 km querte ich bei Eigenzell nun endlich die A7 und war wenigstens auf der „guten“ Seite in Richtung Ziel. Ich hatte mich eigentlich auf die Stausschau der BAB gefreut, leider war die nicht einsichtig. Dafür hatte die Route die nächste längere Steigung parat. Auf ungefähr der Hälfte schmiss ich mein Rad in der Nähe einer Marienstatue ins Gras und trank die letzten Tropfen aus meiner Flasche. Helfen konnte mir die Maria nicht, ich musste ja weiter. Aufgeben gilt nicht unter Radlern oder so.

Da wurde mir klar, dass die Wegbeschreibung auf einem Zettel eine deutliche Schwäche hat. Da die Route wie bereits erwähnt, so ausgesucht wurde, dass möglichst wenig Ortschaften durchfahren werden, musste ich meist in einem gewissen Abstand an den Orten vorbei. Bedeutet, es gibt schlicht keine Ortsschilder. An vielen Ecken fehlten leider auch Hinweisschilder für Radwege. Das ist flächendeckend auch in Baden Württemberg so. Vielerorts ist es ein nervenaufreibendes „Finde den Radweg“ Spiel. Die großen und bekannten Radwege sind alle sehr gut ausgeschildert, abseits davon ist es eher Zufall wann und wo eine Hinweistafel zu finden ist.

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Zum Glück erreichte ich auf dem Zahnfleisch, dann doch noch irgendwann eine Ortschaft mit Bäcker. Nachdem ich Ellwangen links liegen gelassen hatte war Ellenberg meine Rettung.

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Eine Tasse Kaffee, Kuchen, zwei Flaschen Ensinger Sport und einem gesünderen Blutzuckerspiegel später , ging es weiter Richtung Nordosten.

Zwischen Ellenberg und Dinkelsbühl hatte ich so etwas wie eine Erscheinung. Mein Freund Konrad, es gibt ein nach ihm benanntes Dorf, sehr schön. Mehr als fünf Häuser hat der Ort nicht zu bieten aber immerhin.

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Nach 97 km endlich Dinkelsbühl. Laut Focus die schönste Altstadt Deutschlands. Keine Zeit mehr, ein paar Bilder und übers Kopfsteinpflaster rumpeln DKB gibt es auch später noch. Die Kopfsteinpflaster Passagen schienen auch dem Garmin nicht zu gefallen, es verabschiedete sich kurzzeitig, konnte aber nach einer kurzen Panikattacke meinerseits wieder zum Leben erweckt werden. Blöderweise war mein Gran Fondo vorerst dahin. Zum Glück gibt es nette Tools, die zwei *.fit Dateien zusammenbacken können. Inzwischen zeigte die Uhr drei und ich wollte um 16:00 Uhr in Aurach sein. Mit noch 20 km zu fahren sollte das eigentlich machbar sein, es sei denn die Kletterei nimmt nie ein Ende.

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Noch mehr Dörfer …, über Lehengütingen (…ingen Orte gibt es also nicht nur im Schwabenland) ging es nach Feuchtwangen. Festspiel- und Casinostadt auch wieder mit rumpligen Kopfsteinpflaster aber schönen Fachwerkhäusern, Brunnen und Autos.

Die Frage, die mir schon in Dinkelsbühl durch den Kopf geschossen ist, warum lässt man Autos durch historische Innenstädte, dann auch noch in der schönsten Altstadt Deutschlands, fahren? Nicht mein Problem, ich wollte nur irgendwann einmal ankommen.

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Kurz vor Feuchtwangen erwischte mich ein weiterer Hungerast, der mit einem fränkischen Krapfen bekämpft werden musste. (Fränkische Krapfen sind gefüllt mit Hägenmark, muss man mögen, ich gehöre nicht zu den Fans, war mir aber alles egal, Hauptsache Zucker)

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Feuchtwangen liegt im Tal, also wieder ein Anstieg mit bis zu 13% Steigung, ging mir jetzt richtig auf die Nerven, mein Rücken tat weh, der blöde Rucksack, ich hätte mal nicht über die Gepäckträger am Rad meines Freundes Konrads lachen sollen. Aus den geplanten 1200 hm wurden inzwischen schon mehr als 1500, ein Ende war nicht abzusehen. Der Typ am Morgen hatte recht. Von wegen flaches Land. Verstehe ich gar nicht, von der Autobahn betrachte, sieht nach Aalen-Westhausen alles eben aus.

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Nach weiteren zehn Kilometern, noch ein paar Höhenmetern und einem fiesen Waldstück erreichte ich ziemlich kaputt und mit krummen Rücken gegen 16:45 Uhr mein Ziel in der Nähe von Aurach.

Für meine Merkliste:

  • Eine Karte aus Papier ist auf dem Land nicht schlecht. Wo weder Mobilfunk verfügbar ist, noch dass Garmin weiß wo es hingeht, wird es schwierig

  • Mit dem Thema Navigation auf dem Fahrrad beschäftigen

  • Das nächste Mal schaue ich mir die Route vorher genauer an, um nicht jeden Hügel mitzunehmen

  • Nächste Investition wird eine Apidura Tasche für die Sattelstütze. Der Rucksack, ist zumindest für längere Touren aus meiner Sicht ungeeignet

  • Mehr Trinken, mehr Essen

  • Komoot Premium Mitglied werden bzw. komplette Karte kaufen

Fazit:

  • Schöne Tour für meinen ersten Gran Fondo in 2016, ein paar Höhenmeter hätten es weniger sein können

  • Es ist unglaublich wie viele schöne und gut ausgebaute Radwege es in Deutschland gibt, genauso unglaublich wie schlecht ausgeschildert Radwege in der Pampa sind

  • Deutschland ist doch weniger besiedelt als man denkt

  • Dinkelsbühl und Freuchtwangen, da muss ich nochmal mit etwas mehr Zeit zum Sightseeing hin

  • Navigation ist toll, ab und an tückisch, allerdings fährt man Wege, die man wahrscheinlich sonst gar nicht in Betracht ziehen würde.

Fakten:

  • 120 km; 1550 hm; Fahrzeit: 5:45 h

  • Fahrrad: Ridley X-Fire

  • Computer und Navigation: Garmin Edge 820





2 Kommentare »

  1. Jürgen — 21. Dezember 2016 @ 23:43

    Hallo Radler, ich bin in der Nähe Nürtingens aufgewachsen und lebe jetzt in Ellwangen/Ostalb. Finde, du hast eine ordentliche Tour gemacht. Respekt! Einen Großteil diese Strecke bin ich auch schon gefahren. Schöne Gegenden, aber Hügel ohne Ende. Abseits bekannter Radstrecken alles schlecht ausgeschildert. Man ärgert sich, wenn man falsch gefahren ist. Oftmals Wege mit schlechter Oberfläche für Rennräder.. Habe für mich den Schluss gezogen: Hautsächlich Radrouten entlang von Flüssen. Diese sind gut ausgebaut, gut ausgeschildert, es geht durch sehenswerte Orte, in denen man sich auch gut verpflegen kann. Vielleicht sieht man sich irgendwann irgendwo. GRuss Jürgen

  2. Michael — 22. Dezember 2016 @ 09:29

    Danke fürs Feedback 🙂

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